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In einer guten Kindheit erleiden Kinder keine Gewalt. Doch sie ist da und zeigt sich auf verschiedene Arten:
Körperliche Gewalt – Psychische Gewalt – Sexualisierte Gewalt – Häusliche Gewalt – Verwahrlosung.

Gewalt gegen Kinder

Trotz fast 30jährigem Gewaltverbot in der Erziehung, kommen mehr als die Hälfte der Eltern nicht ohne Körperstrafen aus, obwohl 90% der Eltern eine gewaltfreie Erziehung umsetzen möchten. Wie kommt es zu dieser Diskrepanz und welche Folgen hat Psychische Gewalt (Anschweigen, Beschämen,…) für die Kinder.

Seit 1989 ist Gewalt in der Erziehung in Österreich gesetzlich verboten.
Studien belegen, dass gesetzliche Gewaltverbote wirksam sind und zu einer Abnahme von Gewalt beitragen: Eine Untersuchung des Familienministeriums zeigt, dass etwa ein Drittel aller Eltern in Österreich ihre Kinder gewaltfrei erziehen (im Vergleich dazu: In Schweden liegt der Anteil bei 76%). Damit wenden heute weniger Eltern körperliche Gewalt an als frühere Elterngenerationen.

Rund 90% aller Eltern streben eine gewaltfreie Erziehung an.

Dennoch werden Ohrfeigen immer noch von fast der Hälfte aller österreichischen Eltern als Erziehungsmaßnahme eingesetzt. Daraus lässt sich schließen, dass Ohrfeigen von vielen Eltern also nicht mehr als legitime Erziehungsmaßnahmen erlebt werden, sondern Situationen von Überforderung und Überlastung in dieser Weise eskalieren. Dies entspricht auch den Erfahrungen, die die österreichischen Kinderschutzzentren mit Müttern und Vätern machen, die aus diesem Grund Hilfe suchen.

14% der Eltern geben an, schwere Körperstrafen anzuwenden. Diese Ergebnisse sind allerdings mit Vorsicht zu betrachten, da ein weit höherer Prozentsatz von Jugendlichen angibt, schwere körperliche Gewalt in der Erziehung zu erleben.

Die Abnahme körperlicher Gewalt in der Erziehung wird allerdings relativiert, da immer mehr Augenmerk auf psychische Gewalt als Erziehungsmaßnahme gelegt wird und mehr Bewusstsein über die schädigenden Auswirkungen dieser Gewaltform für die kindliche Entwicklung entsteht:
Auch Drohen mit Liebesentzug, ständiges Abwerten oder Beschämen von Kindern, Ignorieren und nicht mit dem Kind Sprechen oder Beschimpfen hat lebenslange Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Betroffenen.

So kann psychische Gewalt in der Erziehung den Selbstwert des Kindes nachhaltig schädigen und starke Verlustängste hervorrufen (je jünger das Kind ist, desto stärker), Angststörungen, Leistungsschwächen, Verhaltensprobleme, wie besonders aggressives Verhalten, auslösen, aber auch zu körperlichen Beschwerden führen, wie Sprachschwierigkeiten (Stottern, Lispeln), Einkoten, Einnässen, Schlafstörungen, Essprobleme, oder autoaggressives Verhalten hervorrufen.

Jedes 10. Kind ist von sexualisierter Gewalt betroffen.
Nur 1 von 10 der betroffenen Kindern schafft es, sich jemandem anzuvertrauen und sich Hilfe zu holen. Die anderen 9 tragen ihre Last alleine.

Aus psychologischer Sicht wird unter sexuellem Missbrauch von Kindern jede Handlung verstanden, „die an oder vor einem Kind entweder gegen den Willen des Kindes vorgenommen wird oder der das Kind aufgrund seiner körperlichen, seelischen, geistigen oder sprachlichen Unterlegenheit nicht zustimmen kann. Die Missbraucher nutzen ihre Macht- und Autoritätsposition aus, um ihre eigenen Bedürfnisse auf Kosten der Kinder zu befriedigen, die Kinder werden zu Sexualobjekten herabgewürdigt“ (Deegener, 2006).

Die Österreichische Gerichtsstatistik für das Jahre 2016 verzeichnet insgesamt 245 Verurteilungen wegen Schwerem Sexuellem Missbrauch (§ 206) und Sexuellem Missbrauch (§ 207) – verglichen mit der Anzahl der Verurteilungen 2012 entspricht das einer Steigerung um  8,9 %. 242 der Täter waren Männer, in 3 Fällen wurden Frauen verurteilt. In den Vorjahren führte ca. jede dritte Anzeige zu einer Verurteilung.

Für Österreich gibt es keine aktuelle wissenschaftliche (Prävalenz-)Studie darüber, wie viele Kinder und Jugendliche aktuell von sexuellen Übergriffen und sexualisierter Gewalt betroffen sind. Man kann davon ausgehen, dass jedes 10. Kind zumindest einmal im Laufe seiner Kindheit und Jugend die Erfahrung gemacht hat, gegen den eigenen Willen in einer Form berührt worden zu sein, die sie als belästigend oder bedrängend empfunden haben.

In einer Studie des Österreichischen Institut für Familienforschung aus dem Jahr 2011 berichteten 10.6 % der Frauen und 4.4% der befragten Männer, dass sexuelle Handlungen an ihnen vorgenommen worden sind.

Die Österreichischen Kinderschutzzentren bieten im Zusammenhang mit dem Verdacht von sexuellem Missbrauch u. a. an:

  • Gespräche mit Personen, die den Verdacht haben, dass ein ihnen bekanntes Kind mit erwachsener Sexualität in einer Weise konfrontiert worden ist, die es belastet. Das muss nicht zwangsläufig eine Missbrauchserfahrung im Sinne des Gesetzes bedeuten. Mitunter kommen Kinder z. B. auch mit Pornografie in Kontakt.
  • Ziel ist es dabei, zu einer Einschätzung zu gelangen, wie das auffällige Verhalten eines Kinders einzuschätzen ist, wie es erklärt werden kann – und gemeinsam mit den Erziehungsberechtigten ein sinnvolles Vorgehen zu planen
  • Gespräche für Eltern, die mit der sich verändernden Sexualität ihrer Kinder Schwierigkeiten haben – z. B.: Wie soll man mit Schamgrenzen umgehen? Wie reagiert man angemessen auf die beginnende Pubertät der Jugendlichen?
  • Einige Kinderschutzzentren bieten auch psychosoziale Prozessbegleitung an, wenn eine Anzeige notwendig ist.

Die Hälfte aller Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, haben Kinder.
Diese Kinder sind den, zum Teil lebensbedrohlichen, Auseinandersetzungen ihrer Eltern hilflos ausgeliefert. Die psychischen Belastungen dieser Kinder durch Gefühle, wie Angst, Ohnmacht, Ausgeliefertsein sind jedoch enorm. Und allzu leicht werden, Kinder im Laufe der Unterstützungsmaßnahmen „mitbegleitet“ oder gänzlich übersehen.

Jede 4. Frau ist von häuslicher Gewalt betroffen – die Hälfte davon haben Kinder, die mitbetroffen sind: direkt oder indirekt – beides ist gleichermaßen schlimm.

Gewaltschutz ist in Österreich zwar ein Erfolgsmodell, es fehlen aber kinderspezifische Angebote und die dafür erforderliche Schnittstellenkonzepte, damit es nicht dem Zufall überlassen bleibt, ob ein Kind mit diesem Erleben Hilfe bekommt.

Das Miterleben, Mitanschauen-müssen und nichts tun können, aber auch das Dazwischen-gehen, ist für Kinder mit extremem Stress verbunden, aber häufig nicht gleich sichtbar, weil ja die Eltern gerade Opfer und Täter sind und im Fokus des Interesses stehen. Das Kind / die Kinder verhalten sich da meist ruhig / pseudoangepasst. Auffälligkeiten zeigen sich erst Monate später, wenn die Elternproblematik nicht mehr so akut ist.

Die Auswirkungen auf die Kinder sind nachhaltig und langwierig, zeigen sich aber eben oft erst viel später.

Zum einen sind Elternbeziehungen, in denen es  Partnerschaftsgewalt gibt, auch in ihren erzieherischen Kompetenzen eingeschränkt: Für das Wahrnehmen der Bedürfnisse der Kinder stehen keine Ressourcen zur Verfügung. Und die Kinder haben Angst um jene Personen, die ihnen Schutz geben sollten.

Die Folgen sind: sich für die Eltern verantwortlich fühlen und damit überfordert sein. Das Gefühl des Scheiterns erfasst dann nicht nur eine subjektive Befindlichkeit, sondern oft auch auf der Leistungsebene und in den sozialen Beziehungen. Ängstlich-depressive Symptomatiken, aber auch psychosomatische und aggressive sind nicht selten die Folge.

Dazu kommt, dass diese betroffenen Kinder meist auch noch weiteren psychosoziale Belastungen ausgesetzt sind (Alkoholproblematik, Armut, häufige Umzüge, Trennungen).

Wenn die Eltern ihre Situation geklärt haben (zB Scheidung), bedeutet das für Kinder oft erneut Stress: Sie müssen sich mit den unaufgearbeiteten Emotionen der Eltern auseinandersetzen. Wenn sie Pech haben, treffen sie auf ein schlecht koordiniertes Helfersystem, das kein Bezugssystem anbieten kann.

RAT UND HILFE

Eltern, PädagogInnen, die Nachbarschaft oder PassantInnen – viele Menschen spüren eine große Unsicherheit, wenn sie sich Sorgen um ein Kind machen. Wenn sie sich in ihrer Elternrolle überfordert und erschöpft fühlen, ein Kind in der Schule deutlich verändert wahrnehmen oder …

Kinder zu begleiten ist wunderschön, aber oft auch eine besonders große Herausforderung.
Nur zu leicht, geraten Eltern an ihre Grenzen, fühlen sich rat- und hilflos oder überfordert mit dieser Aufgabe. Auch werden Eltern durch ihre Kindern auf besondere Weise mit ihrer eigenen Kindheit konfrontiert.

Wer sich in seiner Elternrolle nicht sicher fühlt, erhält hier Unterstützung:

Die Österreichischen Kinderschutzzentren


Die Österreichische Familienberatungsstellen


Neben den generellen Herausforderungen im pädagogischen Alltag in Krippe, Kindergarten oder Schule, ist es für PädagogInnen eine besonders große Herausforderung, Kindeswohlgefährdung zu erkennen.

Information und etwaige Fortbildungsangebote können hier helfen; häufig bleibt die Unsicherheit, was nun zu tun ist?

In solchen Fällen erhalten Sie hier Rat und Hilfe:

Die Österreichischen Kinderschutzzentren


www.gewaltinfo.at


Die Kinder- und Jugendhilfe in Ihrem Bundesland

Wien, Niederösterreich, Burgenland, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Kärnten, Tirol

Vorarlberg


In besonders prekären Situationen,  kontaktieren Sie die Polizei unter 133.

Was ist zu tun, wenn nebenan häufig ein Kind verzweifelt weint und schreit?
Hingehen und anläuten, die Polizei rufen, der Kinder- und Jugendhilfe melden?

Unterstützung, um eine Situation, wie diese, besser einschätzen zu können, erhalten Sie hier:

Die Österreichischen Kinderschutzzentren


Rath auf Draht – 147


Polizei – 133


Wenn auf der Straße ein Kind geschlagen oder heftig beschimpft oder alleine stehen gelassen wird, braucht es Zivilcourage von jedem von uns, um dem Kind zu helfen.

Fragen sollte man sich dabei, wie man andere zum Miteingreifen bewegen kann (oft ist es sicherer nicht alleine einzugreifen).
Wichtig ist, die Situation auf Gefährlichkeit zu überprüfen
Und im Zweifel die Polizei einzuschalten.