Workshops

Sexuelle Grenzverletzungen unter Kindern werfen nicht nur bei Eltern, sondern auch bei Fachkräften viele Fragen auf – fachlich wie persönlich. Oft entstehen Unsicherheit, Scham oder starke Gefühle, die den professionellen Blick beeinflussen. Hinzu kommt die Gratwanderung zwischen Bagatellisierung und Dramatisierung, die es im pädagogischen Alltag besonders herausfordernd macht, angemessen zu reagieren.
Der Workshop bietet in kompakter Form Raum für Reflexion und Austausch: Anhand von kurzen Fallbeispielen beleuchten wir, wie sexuelle Grenzverletzungen unter Kindern eingeschätzt werden können und welche ersten Schritte im Sinne von Krisenintervention und Kinderschutz notwendig sind. Dabei wird auch thematisiert, wie Institutionen Verantwortung übernehmen und Fachkräfte in belastenden Situationen entlastet werden können. Ziel ist es, mehr Orientierung und Handlungsspielräume für den Umgang mit diesem sensiblen Thema zu gewinnen.

Dr.in Anna Schwitzer

Unabhängiges Kinderschutzzentrum Wien, Leiterin, Beraterin und Psychotherapeutin

Psychotherapeutin (Systemische Familientherapie) und klinische Psychologin, arbeitet im Unabhängigen Kinderschutzzentrum Wien und in freier Praxis, Leiterin des Kinderschutzzentrums seit 2022. Arbeitsschwerpunkte: Geschäftsführung und fachliche Leitung, Elternberatung, Psychotherapie, Helfer:innenberatungen, Krisenintervention, Weiterbildungen

Dr.in Antonia Wininger

Unabhängiges Kinderschutzzentrum Wien, Beraterin und Psychotherapeutin in Ausbildung unter Supervision

Antonia Wininger Psychotherapeutin i. A. u. S. (Psychoanalyse) und Supervisorin (ÖVS), arbeitet im Unabhängigen Kinderschutzzentrum Wien und in freier Praxis in Wien und Baden. Arbeitsschwerpunkte: Elternberatung, Psychotherapie, Helfer*innenberatung, Weiterbildungen, Krisenintervention, Supervision

Krisenintervention und Handlungsplan bei sexualisierter Gewalt unter Geschwistern

Sexualisierte Gewalt unter Geschwistern ist ein weitgehend übersehenes, aber häufiges Phänomen – oft bleibt sie jahrelang unentdeckt oder wird bagatellisiert. Fachkräfte geraten hier in ein Spannungsfeld zwischen familiärer Nähe, Loyalitäten und Schutzauftrag.
Der Workshop beleuchtet Dynamiken, Risikofaktoren und Entwicklungsverläufe geschwisterlicher sexualisierter Gewalt. Wir beschäftigen uns mit Abgrenzung zu sexuellen Neugierverhalten, Täter*innenstrategien, Scham- und Schuldprozessen sowie den Auswirkungen auf betroffene Kinder und Familien.
Anhand von Fallbeispielen und Reflexionsübungen werden Handlungsschritte im Kinderschutz, diagnostische Überlegungen und traumasensible Interventionsmöglichkeiten erarbeitet.
Ziel ist es, Sicherheit in der fachlichen Einschätzung zu gewinnen, klare Schutzschritte zu planen und gleichzeitig den familiären Kontext mitzubedenken.

Mag. Natalie Knapp, MSc

Tiroler Kinder und Jugend Gmbh, fachliche Mitarbeiterin, Bereich Schulungen

Studium Erziehungswissenschaften
Fachspezifikum Integrative Therapie
Lehrgang Integrative Supervision, Beratung und Coaching
Psychotherapeutin und Supervisorin in eigener Praxis
Kinderschutzzentrum Innsbruck seit Jänner 2007

Der Verdacht, das eigene Kind könnte sexualisierte Gewalt erfahren oder ausgeübt haben, stellt Eltern unvorbereitet vor große Herausforderungen und löst einen Sturm an heftigen Gefühlen aus, die von Angst über Sorge und Überforderung bis hin zu Scham und Schuldgefühlen reichen können.

Dieser Ansturm an Gefühlen macht es schwer, Ruhe zu bewahren, Hilfe zu suchen und sich einer Vertrauensperson anzuvertrauen. Eltern und nahe Bezugspersonen brauchen in dieser Situation zunächst Raum für ihre eigenen Gefühle und fachkundige Hilfestellung und Begleitung im schmerzhaften Prozess der Offenlegung. Sollte sich der Verdacht im weiteren Verlauf erhärten oder gar bestätigen, müssen rasch die passenden Interventionen gesetzt werden.

Mag.a Melanie Bartoloth-Dauschan

Kinderschutzzentrums Delfi Klagenfur, Standortleiterin

Pädagogin und Psychotherapeutin
Langjährige Erfahrung in der Arbeit mit belasteten Familien in den Arbeitsfeldern Familienintensivbetreuung und Besuchsbegleitung
Seit 2013 Standortleitung des Kinderschutzzentrums Delfi Klagenfurt

DSA Roman Ulram, MA

Kinderschutzzentrums Delfi Klagenfur, Kinderschutz-Fachberater

Langjährige Erfahrung in der behördlichen Kinder- und Jugendhilfe
Lehrdeputat an der FH Kärnten, Soziale Arbeit, Schwerpunkt Kinder und Jugend
Kinderschutz-Fachberater im Kinderschutzzentrum Delfi Klagenfurt

Spätestens seit 2010 hat die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in Institutionen auch in Österreich und Deutschland eine hohe gesellschaftspolitische Bedeutung erlangt. Seither haben sich Praktiken der Aufarbeitung stark ausdifferenziert. In dem Workshop werden u.a. die unterschiedlichen Funktionen von Politik, Institutionen, Wissenschaft und psychosozialem Hilfesystem im Kontext von Aufarbeitung zur Diskussion gestellt. Zudem sollen unterschiedlichen Vorstellungen von dem, was mit Aufarbeitung gemeint ist, herausgearbeitet werden. Welche Erwartungen und Methoden werden von wem an individuelle, institutionelle und gesellschaftliche Aufarbeitung gerichtet und welche Ziele sollen damit erreicht werden?  

Dr. Peter Caspari

Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP), Wissenschaftliche Leitung

Peter Caspari (geb. Mosser), Dr. phil, Dipl.-Psychologe; Systemischer Therapeut, Traumatherapeut, Supervisor. Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) München. Studien zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und Misshandlung in Institutionen (Kloster Ettal, Odenwaldschule, Bistümer Hildesheim und Essen, Heime in Bayern, Bund der Pfadfinder*innen, …). 1999 – 2022 Mitarbeiter von KIBS in München (Beratungsstelle für von sexualisierter und/oder häuslicher Gewalt betroffenen Jungen und jungen Männern). Praxis- und Forschungstätigkeit zu Prävention von (sexualisierter) Gewalt in pädagogischen Institutionen (PräviKIBS, IPSE).

Die Intervention bei sexualisierter Gewalt ist für die Fachkräfte eine Herausforderung. Seit den vielen öffentlich diskutierten Missbrauchsfällen wird dieses Thema intensiv diskutiert. Auf Basis der vorliegenden Untersuchungsergebnisse und der Daten der Kinder- und Jugendhilfestatistik wird der Frage nachgegangen, warum sich insbesondere die Jugendämter, aber auch sehr viele Fachkräfte aus anderen Bereichen der Kinder- und Jugendhilfe mit der Intervention schwertun.

Dr. Dirk Bange

Leiter des Amtes für Familie in der Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung Hamburg

Diplompädagoge, 1992-1996 hautamtlicher Mitarbeiter bei der Kontakt- und Informationsstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen Zartbitter Köln, seit 1996 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hamburger Behörden für Kinder- und Jugendhilfe. Fachautor zu verschiedenen Themen wie sexualisierter Gewalt, Kindertagesbetreuung und Kinder mit Behinderungen

 

Sehen und Hören erfordern Konsequenzen!

In dem Workshop wollen wir auf Basis eines Ausschnittes des Theaterstückes „Nicht sehen“ (Noam Brusilovsky, Stadttheater Klagenfurt) ins Gespräch mit den Teilnehmer:innen kommen und u.a. folgende Fragen diskutieren:
- Warum ist Handeln bei Hinweisen auf sexuelle Gewalt in Institutionen so schwierig?
- Welche Wirkungen haben Geheimnisse?
- Wie wird aus Sehen und Hören kinderschützendes Handeln?
- Welche Herausforderungen entstehen durch Loyalitäten, theoretische Schulenbildung und Machtunterschiede?
Es wird dazu eingeladen, auch eigene professionelle Erfahrungen zu reflektieren.

Mag. Astrid Liebhauser

Kinder- und Jugendanwaltschaft Kärnten, Kinder- und Jugendanwältin

Juristin und Mediatorin, seit 1993 Kinder- und Jugendanwältin des Landes Kärnten.
Leiterin der Opferschutzstelle des Landes Kärnten.
Langjährige Fortbildungstätigkeiten im Kinderrechte--,  Kinder-und Jugend- sowie familienrechtlichen Bereich an der Pädagogischen Hochschule Kärnten, Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, und anderen Bildungseinrichtungen.
Kooperationspartnerin der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Gewalt an Kindern in Kärntner Institutionen (1945 – 2000)  von Ulrike Loch und ihrem Team sowie des Theaterstücks „Nicht Sehen“ unter der Regie von Noam Brusilovsky am Stadttheater Klagenfurt.

Prof. Dr. Ulrike Loch

Fakultät für Bildungswissenschaften/Facoltà di Scienze della Formazione/ Freie Universität Bozen – Libera Università di Bolzano

Ulrike Loch, Professorin für Soziologie an der Freien Universität Bozen sowie Direktorin des Kompetenzzentrums für Soziale Arbeit und Sozialpolitik der Freien Universität Bozen. Forschungsschwerpunkte sind Kinder- und Jugendhilfe mit dem Schwerpunkt auf Kinderschutz, professionelles Handeln und qualitative Forschung.

Sie hat das Projekt „Gewalt an Kärntner Kindern und Jugendlichen in Institutionen“ geleitet.
Zentrale Publikationen sind:
Loch, Ulrike/ Imširović, Elvisa/ Arztmann, Judith/ Lippitz, Ingrid (2022): Im Namen von Wissenschaft und Kindeswohl. Gewalt an Kindern und Jugendlichen in heilpädagogischen Institutionen der Jugendwohlfahrt und des Gesundheitswesens in Kärnten zwischen 1950 und 2000. Innsbruck: Studien-Verlag

Imširović, Elvisa/ Lippitz, Ingrid/ Loch, Ulrike (2019): Totale Institutionalisierung als Gewalt an Kindern und Jugendlichen in Institutionen. In: Österreichisches Jahrbuch für Soziale Arbeit, 1 (1), 49-76, DOI 10.30424/OEJS1901049

Loch, Ulrike (2025): Heilpädagogik, totale Institutionalisierung und sexualisierte Gewalt. In: Österreichische Zeitschrift für Soziologie 50, (1), Art. 1. DOI 10.1007/s11614-024-00586-y

Auf Basis dieser Forschung entstand unter der Regie von Noam Brusilovsky das Theaterstück „Nicht sehen“ am Stadt Theater Klagenfurt.